Geschichte des Handwerks
Vor einigen Jahrhunderten prägten kleine Holzhütten mit Schiefer- oder Strohdächern das Landschaftsbild. Zur Zeit der Städtebildung wurden die Häuser immer dichter aneinandergebaut. Diese Häuser mit viel Holz prägten das Stadtbild.
Die Schornsteine waren früher oft aus Holz, somit relativ leicht entflammbar. Spätestens, wenn im Schornstein bei der Verbrennung größere Mengen Teer entstanden (durch feuchtes, harziges Holz und falsches Heizen), war die Feuergefahr allgegenwärtig. Immer wieder kam es zu tragischen Bränden, sowohl in den Dörfern als auch in den Städten.
In der Stadt hatte das noch viel schlimmere Folgen. Dort konnte sich ein Schornsteinbrand sehr rasch durch Funkenflug aus dem Schornstein heraus auf das Hausdach und noch schlimmer - auf mehrere Häuser und ganze Straßenzüge ausbreiten. Viele Menschen verloren dadurch nicht nur ihre Bleibe, sondern tragischerweise auch ihr Leben.
Es bestand dringender Handlungsbedarf.
Es galt die Feuergefahr zu unterbinden, indem man die Schornsteine mit Lehm ausstrich. Die Brände durch Schornsteine reduzierten sich rasch. Was blieb, waren die Hausbrände ausgelöst durch Funkenflug und Rußbrände in den Kaminen, Öfen oder Ofenrohren. Da man zum Bevorraten keinen Platz, keine Möglichkeit oder kein Geld hatte, war das Holz damals in der Regel sehr feucht. Bei der Verbrennung von feuchtem Holz entsteht Ruß und Teer. Dieser Teer setzt sich an den Schornsteinwänden ab und stellt eine Feuergefahr dar, weil er sich bei relativ niedrigen Temperaturen entzünden kann.
Kleinwüchsige Menschen kletterten in die offenen Rauchabzüge und Schornsteine und kratzten den Teer- und Rußbelag ab. Die ersten Schornsteinfeger kamen im 16. Jahrhundert aus Italien und verbreiteten ihr Handwerk über Österreich und Süddeutschland. Auch im norddeutschen Raum breitete sich dieses Handwerk allmählich aus.
Im Jahre 1878 wurde in Mecklenburg die bis heute bestehende Schornsteinfegerinnung gegründet. Die Feuergefahr wurde dadurch erheblich vermindert. Schornsteinbrände, Funkenflüge und die daraus resultierenden Hausbrände waren nicht mehr in dem Maße zu befürchten, wie es vorher der Fall gewesen war. Viele Menschenleben wurden dadurch verschont. Man erkannte den enormen Nutzen und die Notwendigkeit dieser Arbeit, sofern sie regelmäßig durchgeführt wurde und verhalf einem Beruf zur Entstehung.
Die Schornsteinfeger hatten die Aufsicht für ein Fürstentum, Herzogtum, Dörfer oder Stadtteile. Der Kehrbezirk war im weitesten Sinne erschaffen und das Schornsteinfegerhandwerk war geboren. Die Anzahl der Hausbrände und Brandkatastrophen, aber auch der Energieverbrauch (besonders in der Neuzeit) konnten erfolgreich und deutlich reduziert werden. Es wurde vielerorts eine Feuerverordnung erlassen, in der die Durchführung dieser Tätigkeiten als unabdingbar galt und der Schornsteinfeger wurde damit bis zum heutigen Tage beauftragt.
Ständig erweiterte sich das Berufsbild, da sich auch die Heizgewohnheiten, Ofen-, Feuerungs- und Brennstoffarten den Weiterentwicklungen des Hausbaus und dem damit verbundenen Wärmebedarf anpassten. Durch Erfahrungsaustausch mit Kollegen, Kooperation mit fachverwandten Spezialisten, Entschlossenheit und Tatkraft wurden und werden permanent Verbesserungen herbeigeführt. Gleichzeitig wurde dem Schornsteinfeger das "Glück bringen" nachgesagt.
Dadurch, dass der Schornsteinfeger in späteren Jahren immer zum Jahresanfang die Kosten für die Kehrarbeiten bei den Kunden einforderte und er der erste im neuen Jahr war – wurde der Schornsteinfeger schnell zum Neujahrs-Glücksbringer.